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16:09 Uhr - Russische und US-Raumschiffe sollen künftig gegenseitig andockbar sein. Davon gehen die Hersteller in beiden Ländern aus, schreibt die Tageszeitung „Iswestija“ am Dienstag. Sie erörtern auch mögliche gemeinsame Missionen im Orbit sowie Aussichten auf die Erschließung des Mondes. Die Kooperation im All soll laut Experten trotz politischer Differenzen weitergehen.

Die russische Raketen-Holding Energia und der US-Konzern Lockheed Martin planen gemeinsame Arbeiten, um künftig bei Bedarf eine Andockung des neuen amerikanischen Raumschiffs Orion an russischen Raumfahrzeugen technisch zu ermöglichen.

Wladimir Solnzew, Präsident von Energia, sagte dem Blatt: „Die Raumschiffe sollten einander angepasst werden. Wir müssen in der Lage sein, sie bei Bedarf gegenseitig anzukoppeln. So ist der gesunde Menschenverstand: In möglichen Notsituationen muss man einander helfen. Auch das Orion-Schiff muss bei fernen Raumflügen fähig sein, an anderen Raumschiffen anzudocken. Diese und weitere Themen haben wir in der vergangenen Woche bei unseren Treffen mit Vertretern von Lockheed Martin und Boeing in den USA besprochen. Danach haben wir eine Reihe von Protokollen für eine weitere Zusammenarbeit unterzeichnet. Unsere amerikanischen Partner sind an gemeinsamen Programmen für die Erschließung des fernen Weltraums interessiert.“

Derzeit bastelt die russische Holding an einem neuen Raumfrachter. Auch dieser soll laut Solnzew zu einer Andockung am Orion-Schiff fähig sein. „Natürlich haben wir auch das ISS-Programm erörtert. Die Amerikaner bekräftigten ihren Wunsch, den Betrieb der Raumstation bis zum Jahr 2024 und weiter zu verlängern“, so Solnzew. Vizepremier Dmitri Rogosin hatte zuvor Russlands Ausstieg aus dem ISS-Projekt nach 2020 nicht ausgeschlossen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos teilte am Montag mit, Russland erwäge den Bau einer eigenen Raumstation.

Sowohl Russland als auch die USA nehmen außerdem den Mond ins Visier. Solnzew sagte nun weiter: „Wir haben mit den Amerikanern auch die Möglichkeit erörtert, den Mond als Zwischenplattform bei fernen Raumflügen zu erschließen. Unsere Betrachtungsweise stimmt zu einem großen Teil überein, denn dort oben gibt es keine Staatsgrenzen. Jedenfalls werden wir das Weltall in Zusammenarbeit mit anderen Weltraummächten erschließen, darunter auch mit den USA.“

Wie die Zeitung schreibt, schlägt die NASA insbesondere eine Reihe gemeinsamer bemannter Missionen im All vor, die je ein Jahr dauern sollen. Das zuständige russische Institut für medizinische und biologische Probleme begrüßte diesen Vorschlag. Die russischen Forscher gehen davon aus, dass solche Missionen dabei helfen sollen, die medizinische Versorgung bei interplanetaren Flügen zu testen.

Der russische Raumfahrt-Experte Iwan Moissejew kommentierte: „Nachdem Russland seinen möglichen Ausstieg aus dem ISS-Projekt angekündigt hat, beschäftigen sich die Amerikaner mit der Frage, wie es nun weitergehen soll. Für eine sorgfältigere Analyse brauchen sie Russlands Reaktion auf konkrete Vorschläge. Der Vorschlag, eine Kompatibilität der Raumschiffe zu erzielen, ist völlig apolitisch. Die Sicherheit und die mögliche Rettung der Besatzungen liegen ja außerhalb der Politik. Jetzt haben wir eine passende Zeit für solche Ideen. Die Amerikaner werden neue Ansätze in ihren Beziehungen zu Russland formulieren. Dementsprechend werden neue Ideen und Konzepte entstehen. Von einem vollständigen Abbruch der Beziehungen kann keine Rede sein. Die Kooperation im Weltraum wird weitergehen.“
(Stimme Russlands / RIA Novosti)

 

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