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14:24 Uh - Der neue russische Weltraumbahnhof Wostotschny im Fernen Osten bereitet sich auf seinen ersten Raketenstart vor. Er trumpft mit beispiellosen technischen Lösungen auf und soll laut Experten Russlands künftige Positionen in Sachen Raumfahrt absichern – darunter auch politisch.

Der erste Raketenstart vom Kosmodrom Wostotschny aus soll im April stattfinden. Eine Trägerrakete des Typs Sojus-2.1a soll drei Satelliten ins All bringen, wie die russische Raumfahrt-Staatsholding Roskosmos mitteilte.

Der neue Weltraumbahnhof entsteht im Fernost-Gebiet Amur. Warum ausgerechnet dort? Der TV-Sender Swesda erläutert am Montag: „Die Flugbahnen bei den geplanten Raketenstarts sollen über Wassergebiete und über wenig besiedelte Landgebiete verlaufen. Das ist also die sicherste Region im Hinblick auf fallende abgetrennte Raketenstufen. Die erforderliche Transport-Infrastruktur ist dabei bereits vorhanden. Dazu zählen die Baikal-Amur-Eisenbahn und die Autostraße Tschita-Chabarowsk. Relativ unweit befinden sich Seehäfen, es gibt auch substanzielle Strom-Kapazitäten. Ein maßgeblich wichtiger Vorteil ist der für Russland relativ kurze Abstand zum Äquator. Dies soll ermöglichen, mehr Nutzlast mit weniger Kosten ins All zu schießen.“

Die Gesamtfläche des Kosmodroms beträgt rund 700 Quadratkilometer. Manche Anlagen, so der Bericht weiter, sind reif für das Guinness-Buch der Rekorde. Der mehr als 1.600 Tonnen schwere mobile Service-Turm hat beispielsweise eine einzigartige Konstruktion: Eine Rakete wird drin nicht aufgestellt, sondern aufgehängt.

Ein Dokument zur Begründung des Wostotschny-Mammutprojekts war im Jahr 2007 beim russischen Sicherheitsrat eingegangen. Wie es damals hieß, braucht Russland unbedingt einen neuen Weltraumbahnhof innerhalb seiner Staatsgrenzen. Denn das während der Sowjetzeit gebaute und von Russland jetzt gepachtete Kosmodrom Baikonur befindet sich in Kasachstan.

Laut Präsident Wladimir Putin soll das neue Kosmodrom insbesondere für bemannte Flüge genutzt werden, aber auch für die Starts schwerer und womöglich superschwer Trägerraketen. Wie Putin betonte, rechnet Russland auch mit einer internationalen Kooperation: „Diese ist bei uns bereits jetzt groß angelegt. Und unsere Partner sollen sich davon vergewissern, dass Wostotschny einer der besten Orte für die Zusammenarbeit ist. Wir werden seine Kapazitäten steigern.“

Ex-Raumfahrer Sergej Krikaljow, derzeit Top-Manager bei Roskosmos, bescheinigt dem neuen Weltraumbahnhof eine besondere Rolle vor allem bei bemannten Starts: „Es gibt nicht so viele Kosmodrome, von denen solche Starts erfolgen. Nur drei Staaten – Russland, die USA und China – beschäftigen sich gründlich mit dieser Arbeit. Derzeit stützen wir uns meistens auf das kasachische Baikonur. Im russischen Plessezk sind vorerst keine bemannten Starts geplant. Künftig soll aber gerade Wostotschny eine Schlüsselrolle in dieser Hinsicht übernehmen.“

Der russische Militärexperte Igor Korotschenko unterstreicht auch die Bedeutung des neuen Kosmodroms für die nationale Sicherheit: „Für uns ist das eine faktisch alternativlose Richtung. Zwar bleibt Baikonur in Betrieb, doch künftig muss sich Russland auf Weltraumstarts von seinen nationalen Kosmodromen aus konzentrieren.“

(Quelle: Sputnik Deutschland / Copyright © Sputnik)

 

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