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Was nicht nur in Afu-Kreisen schon seit Jahren bekannt ist, wurde kürzlich öffentlich klar ausgesprochen:

Schon vor seiner Einführung offenbaren sich schwere technische Mängel und Risiken beim geplanten BOS-Digitalfunk in Deutschland. In der ZDF-Sendung "Frontal21" vom 14.10.2008 mit dem Titel "zu teuer, zu spät, zu schlecht - sinnloser Behördenfunk" wurden u.a. sowohl die niedrige Reichweite, als auch die sehr geringe Übertragungsrate von 3kBit/s erwähnt.

Laut einem Professor für Kommunikationstechnik befinden sich Verbrecher längst im Ruhestand bevor die nötigen Fahndungsdaten übertragen sind. Mit der Datenrate von 3 kBit/s seien bestenfalls Telefonate möglich. Nötige Erhöhungen der Übertragungsraten und weitere technische Verbesserungen wären mit Mehrkosten von mindestens 2-3 Milliarden Euro verbunden. Die bisherigen Kostenplanungen gehen von gut 5 Milliarden Euro aus. Begründet wurden die im TV-Bericht gezeigten Mängel mit unzureichenden Finanzmitteln durch Bund bzw. Länder.

Ein Berliner Polizist führte bzgl. der Reichweiten sehr praktisch die zu erwartenden Defizite vor: Im Hausflur nur 2m von der Haustür entfernt zeigte sich ein sehr schwacher Empfang auf seinem Digitalfunkgerät, welcher bei 3m von der Haustür entfernt völlig ausfiel. Lakonischer Kommentar des Beamten: Im Ernstfall wäre ich mit dem Digitalfunk verloren. Vorsitzende der Polizeigewerkschaften brachten es drastisch auf den Punkt: Mit dem neuen Digitalfunk sei auf Jahre hinaus keine professionelle Polizeiarbeit machbar. U.a. deswegen wurden im Zeitraum September bis Oktober 2008 an die Berliner Mitglieder der GdP Diensthandys verteilt, damit sie nicht auf ihre Privatkosten dienstliche Telefonate vom Einsatzort machen können.

Wohl nicht ohne Grund verweigerten sowohl die zuständige Bundesanstalt für den BOS-Digitalfunk BDBOS, als auch das Bundesinnenministerium jegliche Stellungnahmen und Interviews zu den Mängeln und Risiken. Vielmehr vertraten sie die Auffassung, dass die bisherigen Planungen allen Erfordernissen und Einsatzlagen gerecht würden.

Hier weitere Informationen, welche wegen der zur Verfügung stehenden Gesamtsendezeit nicht berücksichtigt werden konnten, aber nicht minder interessant sind:

Die erwähnte Datenübertragungsrate von 3 kbit/s existiert nur bei voller Verfügung aller Kapazitäten des Digitalfunksystems. Bei starkem Funkverkehr reduziert sich diese Rate entsprechend drastisch.

Kein einheitlicher Digitalfunkstandard in Europa. Deutschland plant den Aufbau eines TETRA-Systems. U.a. Polen, Frankreich und Tschechien funken aber mit Tetra-Pol. Beide Systeme sind untereinander inkompatibel. Somit ist kein grenzüberschreitender Funkverkehr möglich. Eine Vereinheitlichung des grenzüberschreitenden Funkverkehrs europäischer Sicherheitsbehörden und Rettungsdienste wurde jedoch von den politisch Verantwortlichen als einer Hauptgründe für die Digitalfunkeinführung genannt.

Laut sicheren Informationen vom August 2008 laufen in vielen europäischen Ländern der Digitalfunk und Analogfunk im Parallelbetrieb, z.B. in Schweden. Zumindest in Schweden gibt es keine Absichten dieses zu ändern.

Im Vergleich zum Analogfunk ist Tetra-Digitalfunk ein Bündelfunk, somit grossflächiger eingeschränkter Betrieb/Totalausfall bei Systemstörungen möglich. Beim Analogfunk grösstenteils unabhängig voneinander arbeitende Kanäle/Frequenzen. Somit ist ein flächendeckender Ausfall aller Kanäle/Frequenzen fast ausgeschlossen.

Die Störungssuche und -beseitigung ist beim Digitalfunk wegen dem technischen Aufwand erheblich aufwendiger und somit teurer als beim Analogfunk.

Eine einfache Rechnung:

Beim Analogfunk: jeweils unabhängiger 4m + 2m Bereich + Handynetz = insgesamt 3 Kommunikationsmöglichkeiten

Beim geplanten Digitalfunk:  nur EIN Funknetz. Bei Systemstörungen bzw. Ausfällen verbleibt nur noch EINE Kommunikationsreserve (das normale Handy). Die Frage nach der beabsichtigten Verbesserung der Sicherheit für Einsatzkräfte/Bevölkerung sollte im Interesse der politisch Verantwortlichen besser unbeantwortet bleiben.

Eine Unterbrechung des bestehenden Funkverkehrs bei Notfällen ist nur mit Sonderberechtigung bzw. entsprechend programmierter Endgeräte möglich. Ein "ins Wort fallen" wie beim Analogfunk ist nicht ohne weiteres machbar.

Was viele Funkfreunde und Funkamateure schon längst wissen: Je höher die Betriebsfrequenzen, desto geringer die quasi optische Reichweite. Physikalische Grundsätze lassen sich auch nicht durch politisch Verantwortliche ausser Kraft setzen. Der neue BOS-Digitalfunk arbeitet im Bereich von 380-400 MHZ. Der bisherige Analogfunk macht dieses im Bereich von rund 85 MHz und rund 170 MHz. Das Versprechen der politisch Verantwortlichen, dass mit der Digitalfunkeinführung alle Funklöcher gestopft werden, lässt sich nur mit erheblichem Mehraufwand im Vergleich zum Analogfunk erzielen.

Laut einer Pressemeldung vom 6.7.2008 räumt die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion ein, dass eine 100%-ige Flächenabdeckung bezüglich der Funkreichweite "weder technisch noch finanziell machbar wäre". Letzter Punkt spricht inhaltlich wohl für sich.

Eine funktechnische Beratung der politsch Verantwortlichen durch den CDU-Bundestagsabgeordneten Friedrich Merz mit dem Afu-Call DK7DQ wäre überlegenswert.

Stichwort "Schlechte Funkverbindung":

Beim Digitalfunk = Abbruch bzw. Nichtzustandekommen. Die technischen Toleranzgrenzen sind hierbei niedriger als beim Analogfunk. Beim Analogfunk = schlimmstenfalls ein Rauschen bei dem die Stimme der Leit- bzw. Gegenstelle durchaus noch hörbar ist. Auch in diesem Punkt könnte der vorerwähnte Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz fachlich beratend zur Seite stehen.

U.a. in Hamburg und Hannover, gibt es "keine grosse Begeisterung" der Einsatzkräfte wegen bisheriger Praxiserlebnisse bzw. -ergebnisse. Laut Aussagen von Polizisten ist kein flüssiger Funkverkehr wie beim Analogfunk machbar. In Dänemark gab es mindestens bereits einen Todesfall (Rettungswagen per TETRA-Digitalfunk unerreichbar, deshalb zu spät beim Patienten)

Weitere Mängel/Risiken des BOS-Digitalfunks sind im Internet auf diversen Seiten problemlos auffindbar.

Sind bei Einsätzen bestimmte Einsatzgruppen/Einsatzkräfte nicht auf dem jeweiligem Digitalfunkgerät vorprogrammiert bzw. freigeschaltet, kann dies nur nach langwierigen Telefonaten/Rücksprachen mit den Systemadministratoren nachträglich geschehen. Ein einfaches Umschalten auf einen anderen Funkkanal wie beim Analogfunk zur Kontaktaufnahme ist laut Aussage eines Polizisten aus dem Bereich Hamburg-Hannover beim Digitalfunk somit nicht möglich.

Die Aussage, es gäbe nur noch Analogfunkgeräte, welche teilweise älter als die Einsatzkräfte selbst sind, trifft nicht zu. U.a. die Hersteller Icom, Kenwood, Motorola usw. bieten jeweils eine umfangreiche aktuelle Gerätemodellpalette an. Diese sind im Internet mühelos auffindbar. Alle Geräte werden jeweils mit entsprechender Betriebszulassung zur BOS-Funkteilnahme vertrieben. Somit ist mit Ausnahme der erwähnten Uralt-BOS Fungeräte auch das Beklagen wegen nicht mehr verfügbarer Ersatzteile hinfällig.

Bei objektiver Bertrachtung aller bisher bekannten Mängel und Risiken - weitere Negativdetails sind zukünftig nicht auszuschliessen - empfiehlt sich schon aus Gründen der Betriebssicherheit die Aufrechterhaltung des bisherigen Analogfunks für Sprechfunkanwendungen. Nicht alles Neue muss auch zwangsläufig gut sein.

73 von Manuel, DL5AFN

(Quelle: BB - Amateurfunkmagazin Nr. 42)

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