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Einen ganz weiten Blick über die hessischen Grenzen hinaus wollen wir heute wagen. Ralf Schiffner, DK8FA, hat im erdbebengebeutelten Chile viele Freunde und hat uns freundlicherweise einen Lagebericht über die Situation in Temuco zur Verfügung gestellt, wofür wir uns an dieser Stelle recht herzlich bedanken. Hier der Bericht von Ralf. Zerstörtes Kommunikationsnetz ist größtes Problem
Funkamateure sollten sich für die Behörden zur Nachrichtenübermittlung bereithalten


Das nächste Erdbeben kann in der nächsten Minute, morgen, oder im nächsten Monat kommen.
Das erzählten mir Einheimische häufig, als ich im November 2009 im so genannten „kleinen Süden“ von Chile meinen Urlaub verbrachte. Am 27. Februar passierte es. In der Region bebte die Erde - heftiger als je zuvor.

Die Verbindung zu den Freunden war zunächst problematisch. Aber nach zwei Tagen bestätigte mir Alex, CE6DFY, der Vorsitzende vom Radio Club Temuco (CE6TC): Alle seine Mitglieder sind wohlauf. Temuco liegt etwa 200 Kilometer südlich von Conception und ist von der Größe her etwa mit Wiesbaden zu vergleichen.

Alex erzählte mir, dass die Funkamateure durch den Rundfunk aufgefordert wurden, sich für die Behörden bereitzuhalten, um Nachrichten zu übermitteln. Viele Orte der Region waren von der Außenwelt abgeschnitten, da Straßen und Brücken unpassierbar waren. Die gesamte Region war ohne Trinkwasser und Stromversorgung, es war also nur eine Frage der Zeit, wann die Umsetzer des Mobilfunknetzes ausfallen und das Kommunikationsnetz völlig zusammenbrechen würde.
Zwar waren in den Umsetzern des Mobilfunknetzes Batterien und kleine Stromerzeuger vorhanden, aber spätestens, als das Diesel zur Neige ging, fiel die Kommunikation über Telefon und Internet aus. Die Amateurfunk-Relais in der Region Temuco sind auf Türmen installiert und haben ohnehin keine Notstromversorgung. Sie waren gleich ausgefallen. Mitglieder vom Radio Club sondieren nun für die Zukunft Möglichkeiten, damit die Relais in solchen extremen Situationen weiter betrieben werden können.

Die Organisation des Notfunks in der Region um Temuco war nicht koordiniert und fast schon chaotisch. Entscheidungsträger bei den Behörden waren nicht erreichbar. Selbst die Leitstelle, bei der alle Nachrichtenwege zusammenlaufen sollten, konnte aufgrund des Stromausfalles nicht arbeiten.
Innerhalb der Stadt Temuco selbst war die Strom-, Wasser- und Telefonversorgung nach wenigen Tagen wieder hergestellt. So konnten zumindest größere Orte wieder erreicht werden.
Nun fingen die Menschen an, ihren Alltag den Umständen entsprechend wieder zu organisieren, immer wieder unterbrochen von vielen Nachbeben.

Auch die Straßenverbindungen waren stark gestört. Viele entlegene Ortschaften waren nicht mehr mit Autos erreichbar, weil Brücken zerstört waren. Diese Ortschaften wurden aus der Luft mit Flugzeugen des Club Aero mit dem Notwendigsten versorgt.
Nun sind viele meiner Freunde damit beschäftigt, ihre Häuser wieder bewohnbar zu machen. Wie im letzten DL-Rundspruch zu lesen war, sind von Seiten der Chilenischen Regierung Bestrebungen im Gange, die Funkamateure in das nationale Notfunknetzwerk zu integrieren. In Chile hat man jahrelang Vereine und Verbände, nicht nur Radio Clubs (Amateurfunkvereinigungen) sondern auch z.B. Clubs Aero (Motorflugvereine), die ihre Hilfe für den Katastrophenfall angeboten haben, belächelt und ignoriert. Verordnungen und Bestimmungen haben die Vereinsarbeit so erschwert, dass sich viele auflösten, weil sie die vom Staat geforderten Auflagen nicht mehr erfüllen konnten. Jetzt erkennt man offensichtlich deren Wert und besinnt sich auf die angebotene Hilfe und diese ehrenamtliche Arbeit. Eine Entwicklung, auf die wir in DL noch immer warten.

Ralf, DK8FA

Übernahme aus dem Hessenrundspruch 09/10

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