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10:14 MOSKAU, (Andrej Kisljakow, RIA Novosti). Die Praxis ist bekanntlich das Kriterium der Wahrheit und vollzieht sich in einem bedeutenden Maße auf dem Versuchswege.

In diesem Zusammenhang wäre für die einheimische Raumfahrt der folgende Versuch von Nutzen. Wiederholen wir mindestens einen Monat lang nicht in allen Tonarten, wir seien die Weltbesten auf dem Gebiet der Weltraumerschließung. Ein solch einfaches Verhalten würde obendrein zur Festigung der russisch-chinesischen Beziehungen bei der Weltraumerschließung beitragen.

Bescheidenheit von unserer Seite wäre auch deshalb angebracht, weil China kein einziges Mal mit seinen Erfolgen bei der Weltraumerschließung geprahlt hat. Und es hätte dies tun können. Mit gutem Recht.

China hat in der ersten Märzdekade seinen Plan für die Entwicklung der Weltraumforschung veröffentlicht, der einen weiteren bemannten Raumflug, Mondforschungen, die Beteiligung an einem Marsprogramm neben Russland und die Schaffung eines chinesisch-französischen Kleinsatelliten zur Erforschung der Sonnenaktivität vorsieht. Vor einem halben Jahr hatte die Pressekanzlei des Staatsrates Chinas das so genannte Weißbuch über die Ergebnisse der Weltraumtätigkeit Chinas im zurückliegenden Jahrfünft und über die Pläne für die nächste Perspektive veröffentlicht.

China ist das dritte Land, das bemannte Raumflüge, und zwar im Oktober 2003 und im Oktober 2005, unternommen hat.

Wollen wir uns außerdem daran erinnern, dass China in den vergangenen fünf Jahren 24 Trägerraketen vom Typ "Chang Zhen" erfolgreich gestartet sowie 22 Satelliten unterschiedlicher Typen bzw. deren Modifizierungsmodelle selbständig entwickelt und in den Weltraum gebracht hat. Die Familie der chinesischen Raumapparate wurde dabei von vier auf sechs Serien vergrößert. Es erschienen wiederverwendbare Satelliten zur Fernsondierung der Erde, Nachrichten- und Fernsehsatelliten DFH-4 ("Dong Fang Hong": "Der Osten ist rot"), Wettersatelliten aus der neuen FY-Serie (die Anfangsbuchstaben der Wörter "Feng Yun": "Wind" und "Wolke"), experimentelle Forschungssatelliten sowie Navigationsapparate. Es wird eine neue Serie von Satelliten für Seebeobachtungen entwickelt und ein Projekt für den Einsatz einer Gruppe von Kleinsatelliten forciert.

China betreibt gegenwärtig ein eigenes Weltraum-Navigationssystem auf der Grundlage von vier Satelliten "Beidou" ("Kompass"), die in eine 36 000 Kilometer hohe stationäre Umlaufbahn gebracht wurden.

Somit hat die Volksrepublik China in den vergangenen fünf Jahren ohne unnötigen Informationsrummel wahrhaft einen Weg im Weltraummaßstab zurückgelegt. Auch die Pläne dieses Landes sind gelinde gesagt beeindruckend. Wie einer der Leiter des chinesischen Mondprogramms, Luan Enze, Mitte März sagte, wurde im vergangenen Jahr das Projekt für die Schaffung einer schweren Trägerrakete bestätigt. Laut Plan wird China in acht Jahren eine 1060 Einheiten starke Trägerraketenflotte besitzen.

Es sei bemerkt, dass diese Tätigkeitsart aus kommerzieller Sicht besonders vorteilhaft ist. Dabei ist Russland, das auf dem ersten Platz bei der Zahl der jährlichen Starts rangiert - ein besonderer Stolz der russischen Weltraumbehörde Roskosmos -, hinsichtlich der Einnahmen aus seinen Startleistungen keineswegs führend. Nach Angaben der internationalen Vereinigung für Raumfahrtindustrie (Satellite Industry Association - SIA) ist der Gesamtumsatz der Industrie der Starleistungen im Jahre 2005 auf drei Milliarden US-Dollar gewachsen. 50 Prozent davon entfallen auf US-Unternehmen.

Nach einem Eingeständnis der russischen Zeitschrift "Aerokosmitscheskoje Obosrenije" vom Januar 2007 macht "der Anteil Russlands am Weltmarkt für Raumfahrtleistungen, der auf 20 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, nur elf Prozent aus".

Allem Anschein nach hat China das Beste im Bereich der Hochtechnologien von seinem Großnachbarn übernommen. Als ungeeignet erwies sich nur die Siegesrhetorik aus der unfernen sozialistischen Vergangenheit, die in der russischen Raumfahrt aus irgendwelchen Gründen heimisch wurde. Vielleicht sollten auch wir einmal experimentieren?

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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