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Die USA wollen das Sonnensystem erforschen und haben bereits mit der Entwicklung einer geeigneten Trägerrakete begonnen.
Wie der Chef der US-Weltraumbehörde NASA, Charles Bolden, dieser Tage bei der Präsentation des Projekts sagte, soll die neue Rakete „die Führungsrolle der USA im Weltall sichern und Millionen Menschen in der ganzen Welt inspirieren.“

 

Nachfolger der Saturn-Rakete

Die NASA wird also eine neue schwere Trägerrakete entwickeln. Das Vorgängermodell, die Saturn V, wurde in den frühen 1960er Jahren von Wernher von Braun entwickelt. Diese Rakete brachte unter anderem die US-Raumfähre Apollo in die Erdumlaufbahn für ihre Mond-Missionen.

Die technischen Daten beider Raketen sind teilweise ähnlich. Mit der neuen Rakete (Projekt SLS) können bis zu 70 Tonnen Fracht in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht werden. Mit Zusatzstufen kann die Last auf 130 Tonnen erhöht werden.

Die erste Raketenstufe wird mit drei bis fünf RS-25D/E-Triebwerken ausgestattet – dabei handelt es sich um übliche Triebwerke. In die zweite Stufe sollen J-2X-Triebwerke eingebaut werden. Das eine verbesserte Variante des J-2-Triebwerks, die in den 1960er Jahren die Saturn-Raketen ins Weltall gebracht hatten.

Darüber hinaus wird die neue Rakete abtrennbare Seitenbeschleuniger haben. Zunächst sollen sie mit Feststoff  betrieben werden, denn die Amerikaner sind mit dieser Technologie bereits seit dem Beginn der Shuttle-Ära vertraut.

Aber es gibt auch viele Gegner dieser Entscheidung. Sie fordern den Einsatz der neusten Technologien und setzen dabei auf den Konkurrenzkampf in der Raumfahrtindustrie. Federführend ist dabei ein Konsortium aus den Firmen Aerojet (Entwicklung) und Teledyne (Triebwerkbau).

Aerojet hatte sich mit der aussichtsreichen Trägerrakete Taurus II  befasst. Es handelte sich um eine leichte Rakete, die auf Basis eines anderen Modells für kleinere Satelliten entwickelt wurde. Ihre Besonderheit war, dass sie für russische NK-33-Triebwerke geeignet war. Aerojet hatte in den frühen 1990ern 40 Triebwerke dieses Typs für einen Schnäppchenpreis von je eine Million Dollar gekauft.

Die Perspektiven der Taurus II sind unklar, während das groß angelegte SLS-Projekt schon politische Garantien hat. Aerojet zeigte sich bereit, das Modell AJ-26 (so lautet die US-Bezeichnung für das NK-33-Triebwerk) zu modernisieren, damit es mit Flüssigstoff  betrieben  wird und somit für die neue Superrakete der Amerikaner geeignet ist.

Aber dieses Modell hat wohl kaum Chancen, und zwar nicht nur wegen der extravaganten Idee, den Feststoff- in ein Flüssigstofftriebwerk zu verwandeln, sondern vor allem aus politischen Gründen.

Constellation-Programm gescheitert – Ersatz-Projekt parat

Das SLS-Programm ist für Washington im Grunde ein relativ günstiger Weg, dem umstrittenen Constellation-Programm neues Leben einzuhauchen.

Dieses Projekt wurde 2004 auf Initiative des damaligen US-Präsidenten George W. Bush gestartet und sollte die Antwort auf die Frage geben, was Amerika nach dem Ende des Shuttle-Programms zu bieten hat. Dabei sollten neue Trägerraketen (Ares) und eine neue Raumfähre (Orion) entwickelt werden. Als wichtigstes Ziel wurde damals die Rückkehr auf den Mond verkündet, um den Anspruch der USA als Weltraummacht zu untermauern.

Im Sog der Finanzkrise wurden die Gelder für die US-Raumfahrt zunehmend knapper. Ständig gab es Streit um die technischen Lösungen, aber auch um den Sinn der teuren Weltraum-Projekte. Auch die Kosten für die Tests schnellten nach oben. Expertengemeinschaft überschüttete das Constellation-Programm mit Kritik.

Bushs Nachfolger Barack Obama gilt als Totengräber dieses Projekts. In Wirklichkeit geht es aber nicht um eine Bestattung, sondern um eine Katharsis der Raumfahrtbranche.

Im Grunde hat Obamas Administration bloß einen vernünftigeren Standpunkt zu dem gewaltigen Vorhaben Bushs eingenommen. Ursprünglich sollten beim Constellation-Projekt sowohl Weltraumflüge für Touristen als auch Forschungsmissionen in die Weiten des Universums vorbereitet werden. Jetzt handelt es sich jedoch um zwei getrennte Projekte.

Andererseits forderte das Weiße Haus, das neue Raumfahrtprogramm wegen des Sparkurses mit der vorhandenen Technik zu erfüllen. Dabei handelte es sich nicht nur um Technologien (Saturn- und Shuttle-Triebwerke), sondern auch um vorhandene Betriebe und Infrastruktur der Weltraumbahnhöfe.

Bestimmung der Prioritäten

Der erste Start der neuen US-Rakete ist für das Jahr 2018 geplant. Das neue Projekt ist anspruchsvoll und unentbehrlich für die Rückkehr auf den Mond und die Erforschung von entlegenen Gebieten des Sonnensystems. Das Problem ist aber, dass die Amerikaner nicht so lange warten können und schon jetzt ins All fliegen müssen, wobei das Shuttle-Programm in diesem Jahr abgeschlossen wurde.

Das private Startup-Unternehmen SpaceX, das die wiederverwendbare Falcon-IX-Rakete und das Dragon-Raumschiff entwickelt hat, ist zu einem ernsthaften Konkurrenten avanciert. Bereits im Dezember könnte die Testkopplung an die ISS stattfinden.

Das stimmt mit der von Washington gewählten Entwicklungsstrategie der Weltraumforschung überein, weswegen das Constellation-Projekt umgestellt wurde. Für die Touristenflüge ins All sind ab sofort kleinere Privatunternehmen zuständig, während sich die NASA jetzt mit schweren Trägerraketen SLS und Raumschiffen für die Erforschung des Sonnensystems befassen kann. Als Präsident Obama von Mars-Expeditionen sprach, hatte er gar nicht so unrecht. Die Umsetzung ruft zwar noch viele Fragen hervor, aber das Ziel wurde durchaus präzise ins Visier genommen.

Konstantin Bogdanow, RIA Novosti

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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