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Über Russland toben Orkane, während in den USA glühende Hitze herrscht und es in Argentinien schneit. Unser Planet wird immer mehr von allerlei anomalen Naturerscheinungen attackiert. Das sind unbestreitbare Anzeichen einer globalen Erwärmung.

[von Dmitri Samolodtschikow, Professor an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität (MGU)]

Es gibt noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, was mit dem Klima passiert ist. Die Wissenschaftler streiten weiterhin darüber und bringen immer neue Versionen und originale Ideen hervor.

Die traditionelle Auffassung zum Problem der Erwärmung läuft darauf hinaus, dass die Erdatmosphäre aus einem Gemisch verschiedener Gase besteht, von denen ein Teil zu den „Treibhausgasen“ (CO2, Methangas) zählt, welche Wärmestrahlen absorbieren können. Das Sonnenlicht durchdringt die Atmosphäre, erreicht die Erdoberfläche und erwärmt diese. Auf ihrem Rückweg in den Weltraum werden die Strahlen durch die Treibhausgase zurückgehalten. Dieses Phänomen wurde in Analogie zum herkömmlichen Treibhaus als „Treibhauseffekt“ bezeichnet. Bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe, die die Energiebasis der modernen Zivilisation bilden, verstärkt sich der Treibhauseffekt noch mehr, und das Klima der Erde wird wärmer.

Die Autoren alternativer Konzeptionen der globalen Erwärmung bestreiten vor allem die Einschätzung der Rolle des anthropogenen Faktors für die Erhöhung der Treibhausgaskonzentration. Als eine mögliche Quelle solcher Gase wird beispielsweise der ozeanische Vulkanismus (Nikolai Jassamanow, Lomonossow-Universität) betrachtet. Durch Grabenbrüche an mittelozeanischen Rücken (Rifte) tritt zähe Erdmantelsubstanz aus (beim Erdmantel handelt es sich um die zwischen der Erdkruste und dem Erdkern gelegene Schicht). Durch die Hydratierung dieser Substanz entsteht Methangas. Es steigt zur Oberfläche hinauf und gelangt in die Atmosphäre, wo es mit Sauerstoff reagiert und CO2 bildet.

Es gibt auch andere Erklärungen für das festgestellte Wachstum der Konzentration von Kohlensäuregas in der Atmosphäre. So übt der bekannte russische Geograf Andrej Kapiza, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, Kritik an der traditionellen Erwärmungskonzeption und weist darauf hin, dass die Wärmetauschprozesse in der Erdatmosphäre weitaus komplizierter sind, als in einem auf Hofland gelegenen Treibhaus. Nach seiner Ansicht ist die zunehmende Konzentration von Kohlensäuregas nicht die Ursache, sondern eine Folge der Klimaerwärmung. Bei der Begründung seines Standpunktes geht Kapiza davon aus, dass die Menge des im Ozean gelösten Kohlensäuregases dessen Gehalt in der Atmosphäre mehrfach übersteigt. Bei der Erwärmung wird Kohlensäuregas aus dem Ozeanwasser freigesetzt und dies führt zum Wachstum seiner Konzentration in der Atmosphäre.

Originell wirkt die adiabatische Theorie des Treibhauseffektes, die von Oleg Sorochtin, Mitarbeiter des Institutes für Ozeanologie „Schirschow“ hervorgebracht wurde.

Der Forscher bezweifelt, dass es überhaupt einen Treibhauseffekt in der Atmosphäre gibt. Er behauptet, dass die Sättigung der Atmosphäre mit Kohlensäuregas oder Methangas die Wärmeübertragung in die höheren Atmosphäreschichten beschleunigt und folglich eine Abkühlung und keine Erwärmung bewirkt.

Was ist dann die Ursache für die globale Erwärmung? Laut Chabibullo Abdussamatow (Sternwarte Pulkowo der Russischen Akademie der Wissenschaften) sollte man die Aufmerksamkeit auf die Sonne richten, um die Antwort zu bekommen. Das Klima der Erde hängt unmittelbar von der Menge der Energie ab, die von der Sonne ausgestrahlt wird: Vergrößert sich die Energiemenge, wird auch die Temperatur steigen. Die globale Erwärmung ist nach Auffassung des Wissenschaftlers durch die ständig zunehmende Intensität der Energie bedingt, die von der Sonne ausgestrahlt wird. Die Ursache für die zunehmende Intensität sind Änderungen der Temperatur des Sonnenkerns und dementsprechend auch Änderungen der Größe und der Leuchtkraft der Sonne. Jetzt hat die Leuchtkraft der Sonne schon ihr Maximum überschritten und ab dem Jahr 2015 ist mit einem langsamen Sinken der globalen Temperatur der Erde zu rechnen. In den Jahren 2035 bis 2045 wird die Leuchtkraft der Sonne ihr Minimum erreichen, woraufhin eine Abkühlung zu erwarten ist.

Die Zahl der alternativen Erwärmungskonzeptionen, die sowohl von einheimischen als auch von ausländischen Wissenschaftlern hervorgebracht werden, ist damit nicht erschöpft. Manche davon heben die Rolle der Umwandlungen der Wolkendecke, den Einfluss atmosphärischer Aerosole, die Wirkung kosmischer Strahlen, die Folgen einer Kollision mit einem Kometen in ferner Vergangenheit und anderes mehr hervor.

Optimal ist meiner Ansicht nach die Einstellung der Zwischenstaatlichen Expertengruppe für Klimaänderung (russ. Abk.: MGEIK) zu diesem Problem. Die Gruppe zieht Fachleute aus verschiedenen Forschungsbereichen zur Verfassung eigener Berichte heran und verlangt eine komplexe Erörterung der Erwärmungsprozesse. Im letzten, dem vierten Einschätzungsbericht der MGEIK, der Anfang 2007 veröffentlicht wurde, wird der Einfluss sowohl des anthropogenen als auch vieler natürlicher Faktoren auf den Erwärmungsprozess betrachtet.

Auf dieser Logik beruhen die Rahmenkonvention der UNO über die Klimaänderung und das Kyoto-Protokoll dazu, das das Programm für die Reduzierung der Treibhausgas-Auswürfe festgelegt hat. Auf welche Weise kann also die anthropogene Belastung der Atmosphäre verringert werden? Durch Energieeinsparung und eine höhere Energieeffektivität der Produktion, durch die Anwendung alternativer und regenerierbarer Energiequellen, durch die Walderhaltung und durch die Erhöhung der allgemeinen technologischen und ökologischen Kultur der Menschengesellschaft.

( ria novosti)

 

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