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Zum 5. März traten in den USA neue Vorschriften für den Amateurfunkverkehr in Kraft. Die von der FCC bereits am vergangenen 18. November angekündigten Vorschriften erlauben nun neben der Telefonie (J3E, mit 2.8 kHz Bandbreite) auch Telegrafie (A1A, 150 Hz Bandbreite) sowie Datenfunk (J2D – Pactor III mit 2.8 kHz Bandbreite und J2B – PSK31 mit 60 Hz Bandbreite). Außerdem hat die FCC die maximale Sendeleistung von 50 auf 100 Watt PEP an einen Dipol erhöht. Da das 60-m-Band bei uns in der Region 1 nicht zur Verfügung steht, könnte man diese Nachricht ignorieren, aber unter der Oberfläche birgt die Regelung Zündstoff. Eine öffentliche Diskussion der Problematik drängt sich auf.

Grundsätzlich ist es immer positiv zu werten, wenn die Amateurfunkgemeinde neue Frequenzen zugeteilt erhält, aber die vorgeschlagene Einteilung der Betriebsarten birgt eine Gefahr für die Offenheit des Amateurfunks.

Es ist unbestritten, dass PACTOR III eine effiziente und professionelle Betriebsart darstellt und dass sie für viele Funkamateure eine zuverlässige Möglichkeit bietet, weltweit Zugriff auf E-Mails zu haben. Dabei ist es unerheblich, ob man sich auf hoher See, im Outback oder in den Anden befindet.

Es ist aber auch unbestritten, dass es sich bei PACTOR III (und dem Nachfolger PACTOR 4) um eine kommerzielle und proprietäre Lösung handelt, die nicht allen Funkamateuren offen steht. Möchte man PACTOR III mitlesen oder in dieser Betriebsart kommunizieren, benötigt man ein Modem der Firma SCS. Die Firma SCS Special Communications Systems GmbH & Co. KG verfügt alleine über die Herstellungsrechte, deshalb kommt man an ihr nicht vorbei.

Dasselbe gilt auch für Technologien wie D-STAR, aber neu ist im vorliegenden Fall, dass im 60-m-Band Frequenzen explizit für PSK31 und PACTOR III reserviert werden.

Das ist an sich schon eine heikle Sache, denn grundsätzlich dürfen wir auf unseren Bändern nur unverschlüsselt und offen kommunizieren. Da ist eine herstellerabhängige Übertragungsart, die nicht offen gelegt wird, im Prinzip systemwidrig. Wenn man solchen Betriebsarten auf einem Band, dass nur über 5 Kanäle verfügt, explizit die Erlaubnis gibt, darüber zu kommunizieren und gleichzeitig offene Varianten ausschliesst, dann ist das umsomehr ein Problem.

Man kann jetzt argumentieren, dass ja auch PSK31 zulässig ist – aber diese Sichtweise greift zu kurz: PSK31 ist zwar allgemein zugänglich, aber es ist nur eine einzige eines ganzen Blumenstraußes an schmalbandigen Betriebsarten.

Neben zahlreichen digitalen Übertragungsarten wie verschiedenen PSK-Varianten, AMTOR, JT65, OLIVIA oder auch älteren Varianten wie RTTY, Feld-HELL etc. gibt es auch Komplettsysteme, die einem PACTOR-System ebenbürtig (oder z.B. durch Twitter-Integration sogar überlegen) sind.

Als Beispiel sei hier PSKmail erwähnt, eine Lösung, die auch von Intermar e.V. unterstützt wird.

PSKmail ist offen, d.h. wer über die nötigen Fähigkeiten verfügt, kann mithelfen, das System weiter zu entwickeln. PSKmail läuft unter anderem unter Windows, Linux, OS X, BSD und auf Android Mobiltelefonen.

PSKmail ist ein System, das es ermöglicht, Internetdienste wie E-Mail und Webzugriff unabhängig von der vorhandenen Infrastruktur nutzbar zu machen. Ein Segelboot mitten auf dem Ozean kann E-Mails senden und empfangen, Wetternachrichten herunterladen und Kurznachrichten bzw. die eigene Schiffsposition über das APRS System verschicken. Freunde und Verwandte können so in Verbindung bleiben und die Bewegungen des Schiffs auf einem graphischen Bildschirm verfolgen; Sekunden nachdem die Position vom Schiff verschickt wurde. PSKmail kann auch in abgelegenen Gebieten und/oder überall wo solche gerade nicht vorhanden sind, Internetdienste zur Verfügung stellen. Sie möchten vielleicht Internetzugriff am Nordpol? Kein Problem – PSKmail macht’s möglich.

Die im Einsatz stehenden Server sind unabhängig und fallen nicht aus, selbst wenn ein zentrales System unerreichbar sein sollte. Ist ein Server außer Betrieb oder unerreichbar, kann man irgend einen anderen benutzen.

PSKmail arbeitet im Moment mit unter anderem mit folgenden Betriebsarten:
PSK500, PSK500R, PSK250R, PSKR125, MFSK32, MFSK16, THOR22.

Aus dieser Sicht wäre es besser gewesen, die Bandbreite zu reglementieren als spezifisch PSK31 und PACTOR III zuzulassen.

Die Gründe sind uns nicht bekannt und es ist auch möglich, dass diese Regelung in Zukunft angepasst wird. Mit der Zulassung von PACTOR III, unter dem gleichzeitigen Ausschluss von anderen, schmalbandigeren, effizienteren und offen zugänglichen Betriebsarten, hat eine Entwicklung stattgefunden, die kritisch beobachtet werden muss.

(Quelle: radioskala.blogspot.de / hamnews.ch, bearbeitet von Tom DF5JL)

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