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Der Entschluss stand fest: Wir wollten uns wieder mal nach der witterungsbedingten Zwangspause in Gosen treffen und bei der Gelegenheit in den Funkdiensträumen gleich mal nach dem Rechten sehen. Also verabredeten sich  OM „A“ , OM „B“ und OM “C“ für den Samstag Vormittag. Eigentlich wollte OM „D“ auch noch dabei sein, aber der meldete sich im letzten Moment krank. Seine Genesung lag auch uns am Herzen, also trafen wir uns nur zu dritt.
Die Räumlichkeiten waren nach wie vor (wie auch das ganze Haus) in einem erhabenen Frischezustand - will sagen, Raumlufttemperatur bei ca. 8-9° C.
Gleichwohl nutzten wir das verhältnismäßig gute Wetter, um auf dem Fluren und den FuZ-Räumen mal kräftig durchzulüften. Wärme konnte ja nicht verloren gehen, denn draußen war es zeitweilig eine Spur wärmer, als innen. Da wir die äußeren Bedingungen ja kannten, hatten wir uns warm angezogen. Eine Risiko wollte auch keiner eingehen.
Wir machten einige technische Überprüfungen und dabei stellten wir fest, dass die Batterien der USV-Anlage für den APRS-Digipeater DB0FUZ und die Paket-Radio-Strecke einen relativ großen Kapazitätsverlust aufwies. Ein Probelauf bestätigte: Bei Ausfall des Elektro-Netzes würde die Anlage nur knappe 10 Minuten durchhalten. Die nominelle Überbrückungszeit war hier normalerweise ca. 4 Stunden. Schnell stellte sich heraus, dass mindestens eine Zelle der Pufferbatterien defekt war. Der Innenwiderstand lief gegen unendlich. Ok, hier mussten die Batterien ausgetauscht werden. Da wir aber die richtigen Austauschbatterien (es sind ja eigentlich Akkus) nicht gleich fanden, verschoben wir dieses auf das nächste Wochenende.
Wir hoffen nur, dass in der Zwischenzeit kein längerer Stromausfall erfolgt.....

Da die Gaststätte ihren normalen Betrieb wieder aufgenommen hatte, nutzten wir natürlich die Gelegenheit, mal wieder schön gepflegt Mittag zu essen. Und es hat auch wieder gemundet...hmmmm.
Wir nutzten unser Zusammensein, um uns über die nächsten konkreten Arbeitsschritte zu verständigen. Dabei spielte die Antennenproblematik auf dem Dach eine herausragende Rolle. Da wir nun mal da sind, wollten wir auch auf’s Dach, um vor Ort die Situation konkret zu fassen. Das ist an sich auch kein Problem.
Die entsprechende Stelle der Zwischendecke wurde geöffnet, die Leiter (Standard-Holzleiter) heruntergeholt und aufgestellt. OM „A“ befestigte die Leiter am oberen Querholm wie immer am Griff- und Sicherungsbügel des Ausstiegsschachtes. Und dann  stiegen wir, einer nach dem anderen, auf das Dach. Ja, es ist schon ein schönes Gefühl, man war wieder in seinem Element – Antennen, Antennen, Antennen.... Die Sonne schien ganz angenehm, aber der frische Wind wurde mit der Zeit doch sehr lästig. Die anstehenden Probleme waren dann auch schnell besprochen und entschieden. OM “C“ meldete auch bald erhöhten Wärmebedarf und auch ich muss zugeben, dass der Aufenthalt durchaus abgekürzt werden könnte. Also begaben wir uns zum Abstieg und OM „C“ durfte als erster hinab ins Warme steigen.
In gewohnter Manier erklomm er den Rand der Ausstiegsluke und begann, die Leiter abwärts zu steigen. Seine Hände lagen bereits auf dem Griff- und Sicherungsbügel des Schachtes. Ich hatte mein Blick nochmals der Antennenanlage zugewandt und war in Gedanken gerade bei den Abspannseilen, als plötzlich aus dem Ausstiegsschacht klägliche Hilferufe in mein Bewusstsein drangen. Zuerst dachte ich an ein Gaudi, aber schnell erkannte ich, dass OM „C“ in allerhöchster Gefahr schwebte und das im wahrsten Sinne des Wortes. Was war geschehen?
Wie schon gesagt, war OM „C“ gerade dabei die Leiter zu betreten und herunter zu steigen. Er war bereits einige Tritte auf der Leiter abwärts gestiegen und  seine Hände umfassten wie immer gerade den Sicherungsbügel des Schachtes, als plötzlich die Leiter unter seinen Füßen, erst langsam, dann immer schneller, wegrutschte und nach unten fiel. OM „C“ hielt sich instinktiv mit beiden Händen am Sicherungsbügel des Schachtes fest und hing jetzt frei ca. 4 Meter über den Flurboden in der Luft. Das war genau der Moment, wo die Hilferufe in mein Bewusstsein drangen. Ich stürzte sofort zum Schacht, ergriff die Arme des unglücklichen OM „C“ und versuchte ihn hochzuziehen. Auch OM „A“ hatte die Situation blitzschnell erkannt und gemeinsam hievten wir OM „C“ aus dem Schacht wieder auf das Dach. Das ging ja noch mal glimpflich aus.... Was hätte da passieren können? Ganz ohne Schrammen kam auch OM „C“ nicht davon. Die untere Betonkante hinterließ ihre Spuren auf den Schienbeinen des unglücklichen OM „C“. Auch kam es ihm so vor, als hätte ihn ein Pferd in den Bauch getreten. Aber bis auf den gehörigen Schreck hat er ansonsten die Situation ohne Schaden überstanden. Ja, nun standen wir auf dem Dach und konnten nicht mehr runter. Die Leiter lag 4 Meter unter uns im Flur.
0903 01bNach dem wir uns alle erst mal beruhigt hatten, analysierten wir die Situation. Funkamateure sind ja bekanntlich Meister der Improvisation. Da ließen wir also ganz locker den „McGyver“ raushängen und suchten nach geeigneten „Werkzeug“, die Leiter irgendwie wieder nach oben zu kriegen. Ziel sollte es sein, so etwas ähnliches wie ein Enterhaken zu basteln, mit dem man die Leiter hochziehen konnte. Und tatsächlich fanden wir etwas, was sich dafür sehr gut eignete.

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Vor einigen Jahren hatten wir mal als Sicherung eine fast 4 Meter lange Drahtschlaufe um den Lüftungsschacht gebunden, um irgend etwas zu sichern. Die eigentliche Konstruktion war schon lange wieder abgebaut, aber diese Drahtschlaufe hatten wir (wohl mehr aus Bequemlichkeit) drangelassen. Der Draht besteht aus isoliertem Vollkupfer, ca 5mm Durchmesser. Der Draht war schnell abgebaut und, so gut es ging, gerade und glatt gebogen. Tatsächlich reichte der Draht bis auf den Flurboden. Wir konnten also einen Enterhaken biegen, den wir dann versuchten, unter den ersten oder zweiten Trittholm der Leiter zu schieben. Die ersten drei Versuche scheiterten. Das war für  OM „A“ Anlass genug zum Telefon-Handy zu greifen und OM „D“ anzurufen. Als der von unserem Missgeschick hörte, setzte er sich sofort ins Auto und sah sich bereits als der rettende Engel bei uns erscheinen. Nein, nein, das war jetzt Spaß! In Wirklichkeit machte er sich Sorgen.
In der Zwischenzeit hatten wir unseren Enterhaken etwas modifiziert und versuchten es noch einmal. Und wirklich – es gelang uns, den Haken unter einen Leiterholm zu schieben. Vorsichtig zogen wir an dem Draht. Ja, er hakte sich fest und ganz langsam begannen wir die Leiter anzuheben. Die Leiter hatte natürlich ihr Gewicht und es war auch deutlich zu sehen, dass der Haken nicht lange halten würde. Wir hatten die Leiter bis auf halbe Höhe zum Ausstieg angehoben. Zum Anfassen noch zu tief! Der Haken bog sich immer weiter auf und es sollte nur noch Sekunden dauern bis die Leiter wieder runterkrachen würde. Da kam mir die glorreiche Idee, das andere Ende des Drahtes ebenfalls zu einem Haken zu biegen und damit die Leiter zu angeln – sie war hoch genug dafür - und den ersten Haken so zu entlasten. Und tatsächlich funktionierte es! Zu zweit zogen wir, immer noch vorsichtig, die Leiter so hoch ,dass ich sie greifen und sichern konnte. Wir hatten es geschafft, noch bevor OM „D“ zu uns stieß. Wir waren froh und auch ein bisschen stolz. Hoch lebe die polytechnische Ausbildung...!  Mit großer Erleichterung stiegen wir jetzt herab.
Wir waren gerade in unsere Räume gegangen und wollten uns einen ordentlichen Kaffee kochen, da kam OM „D“ zur Tür herein. Er schaute etwas verdutzt, weil wir schon unten waren, aber wir konnten ihn an Hand der „körperlichen Eindrücke“ bei OM „C“ überzeugen, dass das alles wirklich passiert war. Letztendlich war er auch erleichtert, dass nichts weiter passiert war. OM „D“ verabschiedete sich bald wieder, denn es ging ihm nach wie vor nicht besonders gut.
Wir tranken unseren Kaffee und aßen die Pfannkuchen und besprachen dabei weitere Aufgaben und Probleme.
Aus dieser Geschichte haben wir natürlich unsere Schlussfolgerungen gezogen.
Am nächsten Wochenende haben wir ein ganz klare Aufgabe: Sicherungsmaßnahmen für den Dachausstieg!

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PS:    die Namen der OM’s wurden nicht ausgeschrieben, um eventuell Lesern aus 
dem engsten Familienkreis einen Schock zu ersparen, weil sie möglicherweise von diesem Ereignis nichts wissen.

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