logo

 

Wir Funkamateure sind natürlich wie Du und ich Menschen, aber - und das gebe ich unumwunden zu - doch ein bischen anders als die anderen. Auf Grund der besonderen Anforderungen, oder sollte man besser sagen, auf Grund des besonderen Anspruches an die Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer Tätigkeiten können wir uns ruhig einbilden, etwas besonderes zu sein - ganz besonders in der heutigen Zeit, wo globale Informationen und Kommunikation zu bestimmenden Elementen persönlicher und gesellschaftlicher Entscheidungen und Handlungen werden.

Als Funkamateur haben wir uns ein spezielles Wissen angeeignet und sind auch bemüht, mit dem neuesten Trend mitzuhalten. Dabei stellen wir immer wieder fest, daß es viele Querverbindungen zu anderen sehr interessanten Fach- und Wissenschaftsgebieten gibt. Eine dieser Querverbindungen scheint uns besonders attraktiv und aktuell zu sein:
Die Raumfahrt!
Na klar, das wissen wir ja schon lange...Funk über Satelliten, Raumstation Mir-Funkverkehr in vielen Betriebsarten, Funkbetrieb vom Shuttle u.v.m., von den kommerziellen Anwendungen ganz zu schweigen, Militär und Wissenschaft, ein Thema ohne Ende....... heute ist das für uns schon der Alltag!
Aber ist es nicht faszinierend, zu erleben, wie ein Erkundungsfahrzeug von der Erde zum Mars transportiert wird, dort "ausgeladen" wird, um dann von der Erde funkferngesteuert auf dem Marsboden Ausflüge zu unternehmen, und dabei gestochen scharfe Bilder zur Erde sendet?
Ich könnte noch andere Beispiele nennen und ich bin mir sicher, jedem von Euch fallen ebenfalls eine Menge Beispiele dazu ein.
Funktechnik und Weltraumfahrt ist nicht von einander zu trennen. Über die Funktechnik wissen wir schon eine ganze Menge aber über die Raumfahrttechnik, über deren Entwicklung, von den Pionierzeiten bis zum aktuellen Weltraumunternehmen ISS, wissen wir höchstens Bruchstückhaftes. Das hat nicht nur damit was zu tun, daß vieles geheimgehalten wurde (bei aktuellen Entwicklungen ist es sicher noch so). Das hat natürlich auch etwas mit Geschichtswissen und Geschichtsbewußtsein zu tun.

Grundlage aller Weltraumunternehmungen ist die Raketentechnik.
Und wiedermal waren es militärische Interessen, die dieser Technologie zum Durchbruch verhalf. Schon vor 2000 Jahren haben chinesische Kriegsparteien mit Schwarzpulverraketen gegnerische Festungen in Brand geschossen. In alten indischen Aufzeichnungen werden raketengetriebene Fahrzeuge beschrieben, von wem auch immer die damals gebaut und benutzt wurden. Über die Jahrhunderte ist die Raketentechnik fast vergessen gewesen, wenn man mal von Signalraketen und Feuerwerk oder Seilführungsraketen in der Seefahrt absieht.
Erst zum Ende des vorigen Jahrhunderts und zu Beginn dieses Jahrhunderts gab es wieder ernstzunehmende Versuche, die Raketentechnik zu entwickeln.
In Europa war die wissenschaftliche und technolgische Entwicklung soweit fortgeschritten, daß hiermit die besten Grundlagen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Raketentechnik gegeben waren.
Somit ist es auch nicht verwunderlich, daß es in Deutschland schon bald die ersten Raketenversuchsplätze gab. Einer befand sich sogar mitten in Berlin, auf dem Gelände des heutigen Flugplatzes Tempelhof.
Was aus dieser Entwicklung geworden ist, wissen die meisten von uns: Die V1-/V2-Waffen des 2.Weltkrieges - die tragische Seite dieser Entwicklung!
Aber diese Entwicklungen legten den Grundstein für die heutige Raketentechnik. Die Siegermächte des 2.Weltkrieges beuteten die Ergebnisse deutscher Wissenschaftler und Ingenieure aus und entwickelten auf dieser Basis eigene Geräte.

Das Zentrum der deutschen Raketenentwicklung war Peenemünde. Hier wurde erdacht und gebaut, was später, je nachdem wer es benutzte, Segen oder Fluch bedeutete.
Uns interssierte die ingenieurtechnische Leistung jener Zeit, die bei aller Kritik auch bewunderungswürdig ist und bleibt.
Es gibt inzwischen eine Menge Literatur zu diesem Thema und wir haben fast alles gelesen. Da drängt es einem danach, alles mit eigenen Augen zu sehen und auch anzufassen, zu mindestens das was noch übrig ist.
Also, was liegt näher als einfach mal nach Peenemünde zu fahren.
Alle interessierten OM's waren sich auch schnell einig. Ein bischen telefonieren und schon war der Termin klar: 06.03.99.
Nun traf es sich, daß einige von uns noch ein wenig alten Urlaub hatten, zu Hause gab es keine Igel zu kämmen, es war sowieso Wochenende und überhaupt sind wir ja bekannt für unsere ausgefallenen Einfälle. Es gab also keinen vernünftigen Grund, der dagegen sprach, daß wir nicht einfach mal eine Woche an die Ostsee fahren. Ja, und wenn, dann gleich richtig rauf auf die Insel Rügen, bis zur nördlichsten Spitze Kap Arkona. Genau das war's........!
An dieser "Expedition" nahmen folgende OM's teil:

DL7UMA Jens
Funkfreund Michael
DH7TS

Thomas

DD6UMW Willfried & XYL Monika
DD6UWT Jens
DD6JM Hans

Wir wollten uns in erster Linie erholen, in der windigen Einsamkeit der Steilküste von Kap Arkona den Streß der Großstadt für ein paar Tage vergessen.
Und ganz nebenbei ein bischen Funken. Aber dazu später mehr.

Unser erstes Ziel war also Peenemünde.
Die Anreise erfolgte mit PKW's und wer nicht hatte oder konnte wurde mitgenommen.
9903 01In Berlin fuhren wir um 06:00 Uhr LCT los, um genügend Puffer für eine pünktliche Zielankunft zu haben. Leider spielte das Wetter überhaupt nicht mit. Es gab nur wenige Augenblicke wo es mal nicht regnete. Und natürlich regnete es in Peenemünde am heftigsten.

Etwa 50km vor Peenemünde bekamen wir Funkkontakt mit unserer "Vorhut".
Diese Vorhut war OM Hans, DD6JM. Er war einige Stunden vor uns bereits in diese Richtung gefahren und erwartete uns in seinem Mobil-Shack auf dem Parkplatz des technisch-historischen Museums in Peenemünde.
Wie schon gesagt, es regnete in Strömen und, um es gleich vorneweg zu sagen, das war dann auch der Grund, warum wir unseren Besichtigungsplan um 50% (gesamte Außengelände u. Flugplatz mit Führung) gekürzt haben. Es war aber nur aufgeschoben nicht aufgehoben. Bei besserem Wetter werden wir das nachholen.
Nachdem wir unsere Autos abgestellt hatten, uns einigermaßen gesammelt und jeder sich eine Foto- oder Videoerlaubnis besorgt hatte, stürmten wir das Gelände des Museums (der Ehrlichkeit halber muß ich sagen, der Regen hat uns getrieben).

9903 02Sie war nicht zu übersehen - ein originalgetreu nachgebautes Modell der A4-Rakete - 14 Meter hoch in dem schon legenderen schwarz-weißen Karo-Design bemalt, bildete den Blickfang. Gleich daneben ein stillgelegtes Original: MIG 29, Schwenkflügeljäger.
50 Jahre wissenschafltich-technische Entwicklung liegt zwischen diesen beiden Generationen von Fluggeräten.
9903 03Gleich auf der anderen Wegseite, etwas hinter Bäumen versteckt, ein teilweise aus Originalteilen in Originalgröße nachgebautes Modell der Fi-103 (V1-Flügelbombe) auf einem Startgestell. Die verblüffende Ähnlichkeit mit heutigen Marschflugkörpern ist schon bedrückend.
Auf dem gesamten Gelände verteilt findet man verschiedenste technische Geräte aus NVA-Beständen bzw. ehemaligen sowjetischen/russischen Waffenbeständen. Leider ließ uns der heftige Wind und Regen kaum Zeit, alles genau anzuschauen.
Schon etwas durchgeweicht betraten wir die Ausstellungsräume, die sich in der ehemaligen Steuerzentrale der Energieversorgung befinden. Hier war es Gott-sei-Dank warm und wir konnten langsam wieder trocken werden.
Der Rundgang durch die Ausstellungsräume, oft sogar alte originale Funktionsräume einschließlich originaler Technik, war wie ein Eintauchen in eine spannende Storie über Erfolge und Mißerfolge, Sternstunden und Sackgassen von Wissenschaftlern und Technikern auf dem Weg in bis dato noch unbekannte Bereiche der Mathematik, Physik und Chemie. Man kann gar nicht auf alle Einzelheiten eingehen, aber man ist immer wieder verblüfft, wenn man Geräte und technische Prinzipien erkennt, die heute noch genau so arbeiten, teilweise sogar noch so aussehen, wie sie zur damaligen Zeit entwickelt wurden.

9903 04Wir hatten ja schon viel gelesen und wußten so manches Gerät und Anlagenteil, manches Detail genau zuzuordnen. Aber es ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn man vor einer Originalbrennkammer ("Ofen" genannt) steht, die in einer richtigen A4-Rakete gearbeitet hat, das Metall auch mal berühren darf, das einem Feuersturm von 2000°C wiederstehen und eine Schubkraft von 25000kp bändigen und richten mußte.

9903 05In dem Raum, in dem auch ein sehr interessanter Videofilm über die Entwicklung der Versuchsstelle Peenemünde gezeigt wurde, befindet sich ein Panorama (Modelldarstellung) des wohl bekanntesten Prüf- und Versuchsstartplatzes P7.
9903 06Alle heute betriebenen Raketenstartplätze (freie oberirdische Startplätze) sind nach dem hier entwickelten Grundprinzip aufgebaut. Heute ist von diesem einstigen Prüfplatz nur noch wenig erhalten und es bedarf einiger Fantasie, um sich vorstellen zu können, was da einst gestanden hatte.
Ja, man könnte an jedem Ausstellungstück stehen bleiben und versuchen zu ergründen, wie das alles zusammenspielte. Welch' ein gewaltiger "Organismus" wurde hier ins Leben gerufen......und wieder zerschlagen?

9903 07Am Ende des Rundganges trafen wir uns alle an der großen Modellanlage, die einen Überblick über die gesamte Fläche der einstigen Heeresversuchsanstalt Peenemünde bot. Durch einen sehr kundigen Guide wurden wir hier über viele interessante Einzelheiten informiert.
Wir haben gar nicht mitgekriegt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Nur unserere innere Uhr signalisierte uns: Nun wir es langsam Zeit etwas zu essen!
Tatsächlich gab es hier auf dem Gelände eine Stelle, wo man richtig Mittag essen konnte. Und das war nichts geringeres als der Salonwagen des ehemaligen Verteidigungsministers der DDR: ein auf Basis eines W50-Sattelschlepperzuges errichteter Speisewagen. Jetzt steht das Ding fest an seinem Platz und man konnte etwas beengt aber gemütlich essen und trinken. Es war trocken, warm und geschmeckt hat es auch noch - genau der richtige Abschluß für den ersten Teil unseres Ausfluges.
Und es regnete immer noch .................!
Wie schon gesagt, die Besichtigung der Außenanlagen und des Flugplatzes musste ausfallen.
Das werden wir uns für die Sommer- oder Spätsommermonate vornehmen, ganz sicher!
Ein Teil unseres Ausflugsteams trat wieder die Heimreise an. Der andere Teil, die o.g. OM's und ihre Gäste, machten sich auf den Weg um noch vor Einbruch der Dunkelheit unseren Zielort auf der Insel Rügen zu erreichen. Unser Vorhaben wurde insbesondere auch dadurch beflügelt, daß wir nämlich erfahren hatten, daß der Rügendamm, die einzige Brücke zwischen Insel und Festland, ab 17.00 Uhr LCT für sämtlichen Fahrzeugverkehr bis zum nächsten Morgen 06.00 Uhr LCT geschlossen wird. Aber auch hier stimmte zum Schluß unser Timing: kurz nach 16.00 Uhr LCT überfuhren wir den Rügendamm und kamen ohne weitere Probleme mit dem Dunkelwerden an unserem Zielort Dranske/Bakenberg an.

Ende des 1.Teils

 

© 2019 Funkzentrum In Media e. V.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen